Shotokan

Gichin Funakoshi (1868-1957) ist der Sohn einer extrem traditionsbewussten Beamtenfamilie und gilt nicht nur als Gründer des Shotokan-ryu, sondern auch als Vater des modernen Karate.

Als Frühgeburt geboren, kämpft er sich als ziemlich kränkliches Baby und schwächliches Kind durch seine Kindheit. Wie es der Zufall so will, zählt sich der Sohn von Anko Azato zu Funakoshis Freunden in der Grundschule. Von seinem zwölften Lebensjahr an ist er ein Schüler vom Vater seines Freundes, einem der größten Karateexperten seiner Zeit, danach wird er Schüler von Anko Itosu –  beide sind Schüler von Sokon Matsumura gewesen. Trotzdem haben sie verschiedene Auffassungen und Konzepte des tode.

Mit nur 21 Jahren lehrt Funakoshi Karate an einer Volksschule in Naha. Im Jahr 1921 findet eine Vorführung vor dem japanischen Kronprinzen in Shuri unter seiner Leitung statt, welche diesen so beeindruckt, dass 1922 eine weitere Vorführung in Kyoto im Rahmen der Nationalen Ausstellung der Körpererziehung stattfindet. Danach folgt eine Einladung von Jigoro Kana zu einem Aufenthalt in Tokyo, auf dem es ihm so gut gefällt, dass er mit 53 Jahren beschließt, dort dauerhaft zu leben, obwohl seine Frau und seine Kinder in Okinawa bleiben.

Er schreibt mehrere Bücher unter dem Titel „China Hand“, die er während des aufkeimenden Nationalismus auf „Leere Hand“ umtitelt. In den Jahren 1922 bis 1938 unterrichtet er immer wieder in verschiedenen Dojos, bis er 1938 sein eigenes Dojo mit dem Namen Shotokan Dojo eröffnet (shoto = Rauschen des Pinienhaines, kan = Haus). Nach dem Tod von Gichin Funakoshi im Jahr 1957 zerfällt seine Schule in mehrere Nachfolgeorganisationen, wie JKA (Japan Karatedô Federation), ITKF (International Traditionell Karate Federation), SKI (Shotokan Karate International).

Die spezifischen Merkmale des Shotokan-Karate sind die 27 Kata, die aus dem Shuri-, Tomari- und Naha-te zusammengestellt worden sind. Außerdem typisch für Shotokan sind die langen, tiefen und kraftvollen Stellungen, die dem Körper einiges abverlangen. Ein hohes Knie bei Tritttechniken und direkte und schneidende Blöcke kennzeichnen das Shotokan-Karate.